Schang Hutters Figuren sind schmal, fragil und beinahe schutzlos. Ihre Körper scheinen auf das Wesentliche zu reduziert, lange Beine, schmale Leiber, überdehnte Arme und grosse, gestikulierende Hände. Und dennoch besitzen sie eine überaus erstaunliche Präsenz.
Sie stehen aufrecht.!
Gerade die Arme und Hände werden bei Hutter zu Trägern menschlicher Erfahrung. Sie können sich einem anderen Menschen entgegenstrecken, ihn berühren und schützen aber ebenso zurückweisen, bedrohen und verletzen. Es werden die überlangen Arme zu einer Metapher für die widersprüchlichen Möglichkeiten des Menschen. Manche Figuren öffnen ihre Arme, andere lassen sie beinahe kraftlos sinken. Eine hebt beide Hände hoch, der Mund ist geöffnet. Ist es ein Schrei? Eine Warnung? Abwehr, Hilflosigkeit oder die Aufforderung: Halt! Hutter gibt darauf keine eindeutige Antwort. Seine Figuren erzählen keine abgeschlossenen Geschichten. Sie zeigen menschliche Zustände. Auch wenn die Figuren einzeln im Raum stehen, bleiben sie aufeinander bezogen. Ihre Arme greifen über die eigenen Körper hinaus. Blicke, Gesten und Haltungen scheinen miteinander in Beziehung zu treten. Dadurch wird auch der leere Raum zwischen ihnen bedeutend. Er erzählt von Nähe und Distanz, von Einsamkeit und Begegnung, von der Sehnsucht nach Berührung und der Gefahr der Verletzung. Das Rot einzelner Figuren verstärkt diese Spannung. Bei Hutter ist Farbe nicht bloss Gestaltung. Rot und Rosa gehören zu seiner künstlerischen Sprache und führen mitten hinein in das Spannungsfeld seines Werkes: zwischen Vehemenz und Zärtlichkeit, Schönheit und Schrecken, Verletzlichkeit und Widerstand.
In der Alten Brennerei kommt eine weitere Ebene hinzu. Das Licht löst die fragilen Körper aus dem dunklen Raum heraus und wirft ihre überlangen Schatten über Wände und Boden. Die Figuren scheinen dadurch über ihre tatsächlichen Grenzen hinauszureichen. Aus einzelnen Skulpturen entsteht eine stille Gemeinschaft von Menschen, die einander suchen und doch voneinander getrennt bleiben. Hutter zeigt den Menschen nicht als Helden. Er zeigt ihn verletzlich, ausgesetzt und manchmal beinahe ohne Kraft. Aber er nimmt ihm seine Würde nicht.
Der Mensch bleibt stehen. Er hebt die Hand. Er sucht den anderen.
Vielleicht liegt darin die Hoffnung dieser Figuren:
Wo Menschen verletzlich sind, entsteht auch die Möglichkeit von Nähe, Mitgefühl und Menschlichkeit.
Sehen Sie die Paraellele zu Verletzlichkeit Raum geben unten?