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Der sterbende KZ-Häftling

Mit dem «Sterbenden Häftling» schuf Schang Hutter eine der eindringlichsten Figuren seines frühen Schaffens. Zwischen 1964 und 1972 entstanden, wurde die Skulptur zu einem wichtigen Erinnerungszeichen für die Opfer der nationalsozialistischen Konzentrationslager.
Ausgangspunkt war eine Fotografie eines ausgemergelten Häftlings, der nach der Befreiung auf seine Retter zukroch und starb, kurz bevor er sie erreichte.
Das Bild liess Hutter nicht mehr los. Die Erfahrungen und Eindrücke, die er während seiner Jahre in München nach dem Krieg gesammelt hatte, wurden für ihn zu einer künstlerischen und zugleich persönlichen Auseinandersetzung mit dem Erlebten.


Hutter selbst beschrieb diesen inneren Druck mit eindringlichen Worten:

«Die Unmöglichkeit, meine Münchner Erlebnisse und Eindrücke über den Krieg und mit dem Krieg zu verarbeiten. Sie liessen mich nicht mehr los. Ich habe dann eine Figur gemacht, eine liegende Figur, die einen KZ-Insassen darstellt, der in die Freiheit kriechen wollte und aufgrund dieser Anstrengung gestorben ist. Da bin ich von einem Foto angeregt worden. Ich wollte den Druck loswerden, der mich belastete.»

In der Skulptur wird dieser einzelne Mensch zum Sinnbild für unzählige Opfer. Der Körper ist ausgemergelt, geschwächt und jeder Kraft beraubt. Und doch bleibt er in seiner Haltung nicht völlig gebrochen. Gerade diese Spannung macht die Figur so erschütternd:
Ein Mensch kann körperlich zerstört werden – seine Würde aber lässt sich nicht vollständig auslöschen.

Hutter verzichtet auf jede dramatische Inszenierung. Er zeigt das Grauen nicht in seiner ganzen Brutalität, sondern reduziert es auf die menschliche Gestalt. Der Körper wird zum Zeichen für Hunger, Gewalt, Entmenschlichung und Tod. Zugleich bleibt er unverkennbar ein Mensch.
Darin liegt die besondere Stärke dieser Arbeit. Der «Sterbende Häftling» erzählt nicht nur von einem historischen Verbrechen. Er stellt eine grundsätzliche Frage nach dem Menschen:

Was bleibt von unserer Würde, wenn einem Menschen alles genommen wird?

Hutters Kunst ist zutiefst humanistisch. Seine Figuren sind keine Helden. Sie sind verletzlich, schutzlos und oft an der Grenze ihrer Existenz. Aber sie stehen – oder liegen – immer noch als Menschen vor uns. Gerade in ihrer Verletzlichkeit bewahren sie eine stille Würde.

Der «Sterbende Häftling» ist deshalb nicht nur eine Erinnerung an die Opfer der Konzentrationslager. Er ist auch eine Mahnung an die Gegenwart. Die Figur fordert uns auf, hinzusehen, wo Menschen entwürdigt, ausgegrenzt oder ihrer Menschlichkeit beraubt werden.

Schang Hutter macht aus dem Sterben ein Erinnern und aus der Erinnerung eine Verpflichtung zur Menschlichkeit.









Preis auf Anfrage
Die alte Brennerei GmbH
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